Brian Terrell zu Besuch in der Basisgemeinde Prenzlauer Berg - Oktober 2013

Brian Terrell

- von Clemens Weber / Basisgemeinde Prenzlauer Berg -

Der Friedensaktivist Brian Terrell aus den USA machte auf seiner Rückreise nach einer dreiwöchigen Vortragsreise in Deutschland und England für einen Abend bei uns in der Basisgemeinde Prenzlauer Berg Station, um uns über die Arbeit der Voices for Creative Nonviolence zu berichten.

Terrell lebt seit 27 Jahren mit seiner Familie auf der Catholic Worker Farm in Maloy, Iowa / USA. Seit einigen Jahren engagiert er sich gegen den Drohnen-Krieg, den die USA seit 2002 in ihrem war against terror führen – besonders in Ländern wie Pakistan, Afghanistan, aber auch im Yemen und in Mali. Laut einer Untersuchung des Bureau of Investigative Journalism (BIJ) wurden allein in Pakistan seit 2004 über 3000 Menschen durch Drohnen getötet, darunter viele unschuldige Zivilisten und Kinder. Dabei gibt es zwei Klassen von Drohnenangriffen. Ein personality strike ist ein direkter Angriff gegen eine bestimmte Person. Bei einem signature strike hingegen geht es gegen Personen, deren Identität nicht eindeutig feststeht. Das BIJ schreibt, die Regierung Obama klassifiziere alle körperlich gesunden Männer als Militärkämpfer, außer Beweise für das Gegenteil würden erbracht. Konkret bedeutet das, wenn man in bestimmten Regionen als Mann im wehrfähigen Alter mit einer Gruppe anderer Männer zusammenkommt, gilt man bereits als legitimes Angriffsziel.

Die Argumentation der USA, ein Drohneneinsatz könne Menschenleben schonen weil er ohne Truppeneinsätze auskomme, wurde als gefährliche Illusion entlarvt. Es gibt keinen gerechteren, keinen besseren Krieg. Terrell zitierte dazu einen Aussage von Thomas Merton aus den 40er Jahren:

"Wir haben keinen Frieden, weil wir für den Frieden nichts getan haben, auch nicht für ihn gebetet. Wir haben uns nicht einmal den Frieden gewünscht, außer aus den falschen Gründen: weil wir nicht verletzt werden wollten, weil wir nicht leiden wollten. ... Wenn wir jemals wieder Frieden haben werden, werden wir den Krieg aus einem anderen Grund hassen, als dass wir unsere Häuser, unsere Kühlschränke, unsere Autos, unsere Beine, unser Leben zu verlieren fürchten. Wenn wir jemals den Frieden wollen, werden wir uns mehr nach dem Frieden sehnen müssen als nach einem Joint oder einem Betäubungsmittel. Dies ist alles, das wir zu scheinen wollen: alles, um Schmerzen zu vermeiden. Es ist erschreckend, dass die Welt zu dieser Ironie nicht aufwacht: dass in einer Zeit, in der alle unsere Wünsche nichts anderes sind, als angenehme Sinnesempfindungen zu genießen und schmerzhafte Sinnesempfindungen zu vermeiden, sollte es fast noch mehr Schmerzen und mehr Leid und Brutalität und Schrecken geben, und mehr Hilflosigkeit, etwas dagegen zu tun, als es jemals gab!"

Sehr eindrücklich und bewegend schilderte Terrell von den Auswirkungen dieser modernen Kriegsführung, die unter George W. Bush begonnen wurde und von President Obama verstärkt weitergeführt wird. Im vergangenen Jahr wurde Terrell bei einer Demonstration verhaftet und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Offensichtlich berührt sein Engagement und das seiner Mitstreiter von Voices for Creative Nonviolence einen sehr empfindlichen Nerv des US-Militärs und der Geheimdienste.

Wir sind Brian Terrell sehr dankbar für sein engagiertes Eintreten gegen den Einsatz von Drohnen – und für seinen Besuch und Bericht bei uns.