Die Basisgemeinde: 40 Jahre auf der Suche

Die Basisgemeinde: 40 Jahre auf der Suche - von Anthony Gwyther - Basisgemeinde Wulfshagenerhütten Als wir letztes Jahr in unseren Gemeindegliederversammlungen über unser 40 Jahr Fest gesprochen haben, wurden uns zwei Dinge klar. Zum einen wollten wir unsere Dankbarkeit für den gegangen Weg unter der Führung Gottes zum Ausdruck bringen. • Wir sind Gott dankbar dafür, dass wir in diese Gemeinde gerufen worden sind. • Wir sind Gott dankbar für die Heilung, die hier stattgefunden hat. • Wir sind Gott dankbar für die Versorgung, die wir über die Jahre erlebt haben. Und zweitens wollten wir das Fest „authentisch“ feiern. Das heißt hier in diesem Fest sollten all unsere Erfahrungen einen Platz haben. Nicht nur unsere guten, aufbauenden und schönen Erfahrungen. Sondern auch unsere schmerzlichen, tränen-gefüllten Erfahrungen. Wir wollten nicht, dass die schweren Erlebnisse ausgeblendet werden und somit nur einen Teil unserer Geschichte feiern. Wie die Bibel eine Erzählung von Treue und Verrat, von Mut und Unmut, von Licht und Schatten ist, so auch die Geschichte der Basisgemeinde. Und in diesem Sinne wage ich zu sagen, dass wir eine biblische Gemeinde sind. Nur so. Wir haben einige Ausdrücke in der Gemeinde, die gut zusammenfassen, was wir erlebt haben und wie wir uns sehen. Einer davon ist: „Wir gehen einen offenen Weg der Nachfolge“ Dieser offene Weg bedeutet dass wir immer miteinander Suchende und Fragende bleiben. Und nach vierzig Jahren unterwegs bleibt die Suche nach Orientierung, nach dem nächsten Wegpunkt nach wie vor äußerst aktuell. Nach vierzig Jahren wird natürlich die Frage gestellt, was von der ursprünglichen Vision und deren praktischen Ausdruck weiterhin als uns anvertraut bleiben soll? Was dürfen wir als für damals richtig und wichtig halten, aber nicht mehr für unseren Weg als Willen Gottes ansehen? Solche Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Halten wir aus schlechter Gewohnheit an Dingen fest die eigentlich unwichtig sind? Oder werfen wir aus Leichtfertigkeit oder Faulheit notwendige und wesentliche Dinge beiseite, weil wir nicht mehr die Geduld aufbringen können? Der offene Weg ist ein suchender Weg. Wie erkennen wir Gottes Auftrag für uns im Hier und im Jetzt? Ich möchte jetzt ein paar Themenbereiche benennen die uns im Moment beschäftigen. Zum einen, damit Ihr wisst was uns beschäftigt, damit Ihr Anteil daran haben könnt. Zum anderen weil vielleicht aus der gesammelten Weisheit hier im Raum die eine oder andere Inspiration kommt, die uns auf dem Weg weiterbringt. In den ersten Jahren war es klar, dass wir eine gemeinsame Arbeit brauchten. Der Aufbau dieser Arbeit war erst hier in Wulfshagenerhütten möglich. Der Bau der Werkstatt und die Verbreitung der Hengstenberg und Pikler Pädagogik hat in den letzten Jahren wirklich Frucht getragen. Der Aufbau eines Betriebes als Alternative zum herrschenden Wirtschaftsmodell war schon eine riesige Herausforderung. Jetzt wird uns eine noch größere Herausforderung gestellt: wie bleiben wir alternativ, wie können wir einen erfolgreichen Betrieb betreiben und nicht kapitalistisch handeln? Und da wir Angestellte haben – werden wir einfach die Chefs einer Firma? Eine andere Herausforderung ist das zunehmende Durchschnittsalter der Gemeindeglieder. In den Siebzigern- und Achtzigerjahren hatte Gemeinschaftsleben sozusagen Konjunktur. Die Basisgemeinde erlebte Zuwachs. Jetzt ist Gemeinschaft, zumindest wie wir sie leben, anscheinend nicht mehr so attraktiv, dass die Leute sich hier zahlreich anschließen wollen. Wenn dieser Trend so bleibt - wird die Gemeinde am Leben bleiben? Das Älter Werden stellt viele Fragen. Was heißt es älter zu werden in einer Gemeinde, in der Arbeit so einen hohen Stellenwert hat? Wie können die älteren Geschwister mit Würde hier ihren jeweiligen Beitrag einbringen, wenn dieser Beitrag nicht in den bisherigen Arbeitsbereich-Schubladen passt? Die Gemeinde begann mit der Einladung von armen Menschen in die Häuser der Gemeindeglieder. Diese Offenheit für die Armen und auch für suchende Menschen ist, was wir unter „Grundauftrag“ der Basisgemeinde verstehen. Diese Offenheit wird jetzt sehr anders gelebt als in der Anfangszeit hier in Wulfshagenerhütten. Werden wir lasch? Oder passen wir unsere Gastfreundschaft in gesunder Art und Weise unserem Alter an? Vielleicht noch ein Beispiel. Die Einmütigkeit der Gemeinde ist für uns ein Kennzeichen der vom Heiligen Geist inspirierten Gemeinde. Hier ist unser großes Bild das aus der Apostelgeschichte 2 und 4. Die Frage nach der Einmütigkeit in unseren Gemeinde Entscheidungen ist weiterhin eine brennende Frage. Zu welchen Fragen müssen wir ganz einig sein als Gemeindeglieder. Was ist die Entscheidungskompetenz unseres Gemeindienstes? Definitive Antworten stehen noch aus. Diese sind einige Herausforderungen, die uns auf dem offenen Weg als Gemeinde – dem Weg der Nachfolge – gestellt sind. Unser Gebet ist, dass wir gemeinsam diesen Weg gehen, die Herausforderung annehmend – vertrauend auf Gott, dessen Anliegen Gemeinde ist. Amen.