Ein Bericht über die Feier von Ernst v.d.Recke (Laurentius Convent)

Ein Bericht über die 40-Jahr-Feier der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten - von Ernst v.d.Recke - Laurentius Convent Marie-Noëlle und ich konnten an zwei Tagen diese beeindruckende Feier miterleben. In der Einladung stand der Satz: „Das Fest selbst können wir nicht planen – es wird entstehen in unserem Zusammensein.“ Diese Ankündigung hat sich bewahrheitet. In der Begrüßung wurden wir von Martin Klotz-Woock auf den Satz Bubers hingewiesen: „Das Ich wächst am Du.“ Clemens Weber spielte mit der hebräischen Chiffre 40, die zugleich Zahl und Buchstabe enthält: „Zahlen können was erzählen. Indem wir Rückschau halten auf 40 Jahre Erfahrung, bereiten wir uns auf das Kommende vor.“ Anthony Gwyther führte diesen Gedanken weiter aus in einer Danksagung an Gott für Heilung und Versorgung und der Einladung an alle Anwesenden, authentisch zu feiern. Dass in der Rückschau Treue wie Verrat, Mut wie Resignation, Licht wie Schatten ihren Platz haben, darin erfüllt sich seiner Meinung nach der Anspruch, biblische Gemeinde zu sein. Als Punkte, die für die Basisgemeinde im besten Sinne fragwürdig sind, nannte er die Zukunft ihrer Werkstatt: Der Verkauf der Kinderspiel- und Turngeräte floriert so gut wie nie zuvor. Sie haben 25 Personen angestellt, die von außen zu ihnen kommen. Wie können sie es vermeiden, sich in ein kapitalistisches Unternehmen zu wandeln? Ein anderer Punkt ist das angestiegene Durchschnittsalter: Die Schaffenskraft lässt bei den Älteren nach. Ist die geringere Offenheit für das Mitleben von Menschen mit besonderem Hilfebedarf eine natürliche Anpassung an den steigenden Altersdurchschnitt oder ist es schleichende Laschheit? Außerdem stellt sich die Frage nach dem Ringen um Einmütigkeit. Gilt noch das Konsensprinzip? Dies sind Fragen, die immer wieder das Vertrauen in Gott und in die Gemeinde herausfordern und in die wir als Gäste mit hineingenommen wurden. Am nächsten Vormittag fand der Festgottesdienst statt. Die Auslegung der Geschichte von Elia und dem Engel wurde umrahmt von Stücken des Eliasoratoriums – von einigen Mitgliedern der Basisgemeinde kurzfristig eingeübt und vorgetragen. In der Verkündigung ging es um den Anstoß, den der Engel dem Elia erteilt. Die Menge des Weges bis zum Horeb – 40 Tage und Nächte – will bewältigen sein, denn „die Befreiung soll weitergehen.“ Wir lernten, dass die „Berührung“ des Elia durch den Engel von der Art war wie der Schlag, den Jakob in seinem nächtlichen Kampf mit einem Engel auf die Hüfte bekam. Um aus Zwiespalt und Resignation heraus zu kommen, braucht es mehr als eine zarte Berührung. Anschließend gab es Zeit, eine Ausstellung über die Entwicklung der Basisgemeinde und die Holzwerkstatt anzuschauen. Es ergaben sich viele Gelegenheiten für Gespräche, sogar auch einen kurzen Abstecher an die ruhige Ostsee. Besonders war die Begegnung mit Raja und Irene, von denen wir sehr herzlich grüßen sollen.. Am späteren Nachmittag gab Markus Baum Einblick in seine Recherchen über den Gründer der Basisgemeinde Gerhard Weber. Die Gemeinde hatte ihn angefragt, ob er über ihn ein Buch schreiben könnte. Dies ist im Entstehen. Der Abend war gefüllt mit Musik, Grußworten und zu später Stunde noch lebhaften Tänzen. Die ersten drei Grußworte enthielten eine Begegnung mit der Geschichte der Menschen von El Salvador. Drei Frauen aus Basisgemeinden, zu denen die Basisgemeinde Wulfshagenerhütten schon seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kontakt pflegen, sprachen und brachten ihre Verbundenheit voller Dankbarkeit zum Ausdruck. „Solidarität ist stärker als der Egoismus!“ Sie berichteten, wie sie das Massaker, bei dem in den 80er Jahren 600 Menschen ihr Leben ließen, verwunden haben. Eine von Frauen gegründete Zeitschrift trägt den Namen: „Wir ergreifen das Wort!“ Es wurde nicht von Opfern gesprochen, sondern von Märtyrern: „Die Märtyrer sind für uns heilig.“ „Der Gott des Lebens ist Gott der Märtyrer.“ Gemeinsam sangen die drei Frauen ein Lied für die kleine Schwester Silvia – auch eine Märtyrerin. Eine tiefe Verbundenheit mit den Mitgliedern der Basisgemeinde wurde spürbar und übertrug sich auf uns Gäste. Der Kommunitätenbischof Jürgen Johannesdotter nahm das Gedenken an die Märtyrer in seinem Grußwort auf. Ausgehend von dem Grundgedanken der Einheit, den die Kommunitäten seiner Wahrnehmung nach ins Leben hinein ziehen, sprach er von seiner Verbindung mit Sankt Egidio in Rom und ihrer Achtung für Märtyrer und Märtyrerinnen, besonders der des 20. Jahrhunderts. „Es ist die Aufgabe der Kommunitäten, ihr Erbe hochzuhalten.“ Wolfgang Krauß von der Hausgemeinschaft Bammental ergänzte diese Gedanken durch das Vorlesen eines Textes des Täufers Leonhard Schiemer aus dem 16. Jahrhundert. Dieser schrieb einen Text mit dem Titel „Vom Fläschchen“ im Gefängnis kurz vor seiner Hinrichtung. Darin nimmt er die Anschuldigung auf, die Täufer würden einen Zaubertrank brauen, um sich Menschen gefügig zu machen und des eigenen Willens zu berauben. Er setzt das Fläschchen in Parallele zum Kelch und der Mahlfeier Jesu und macht daraus ein Glaubenszeugnis für die verfolgte Gemeinde. Statt nach ihrem eigenen Willen handeln sie nun nach dem Willen Gottes und nehmen das Risiko eines Martyriums in großer Trübsal auf sich. Marie-Noëlle grüßte im Namen des Laurentiuskonvents und von Church and Peace. Mit der Einladung an alle Anwesenden, sich an einer Unterschriftenaktion gegen Bundeswehr und Rüstungsunternehmen in deutschen Bildungseinrichtungen zu beteiligen, holte sie uns zurück ins Hier und Jetzt. Für die Kürze ihres Beitrags erntete sie großen Applaus. Nach noch einem Grußwort der Sozialistischen Selbsthilfe Mühlheim konnte endlich getanzt werden. So entstand ein Fest durch das Zusammensein von unterschiedlichen Menschen mit den gemeinsamen Freundinnen und Freunden der Basisgemeinde ganz im Norden Deutschlands. Für uns war es nicht nur eine großartige Ermutigung sondern auch ein Richtungsanzeiger für den Weg im Netz von Church and Peace.

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