"Mit dem Wort Gottes die Realität durchleuchten..."

von links: Noemi, Ana Maria, Sofia

Basisgemeinde aus El Salvador zu einem Abend der Begegnung in Berlin

- von Clemens Weber / Basisgemeinde Prenzlauer Berg -

Es sind oft einfache und sehr klare Sätze, die die drei Frauen aus El Salvador mitgebracht haben. Wenn Noemi Ortiz, Ana Maria Barrientos und Sofia de la O de Panameno von ihren Erfahrungen aus El Salvador berichten, wird es schnell sehr wesentlich:

„Wir wollen die Bibel nicht nur lesen, sondern nach dem Evangelium leben.“ Oder: „Es ist unsere Verpflichtung gegenüber dem Evangelium, das Reich Gottes mit aufzubauen.“

Was das in ihrem Land konkret bedeutet, mit welchen Herausforderungen und Schwierigkeiten das verbunden ist, das wurde an diesem Abend deutlich.

Eine ihrer Aufgaben als Basisgemeinde sehen sie in der „Pastoralarbeit“. Dazu gehört neben seelsorgerlichen Diensten auch die Aufklärung vor allem der armen und schwach alphabetisierten Bevölkerung über politische Zusammenhänge sowie über gesundheitliche und soziale Fragen. Sie wollen gemeinsam mit den Menschen Wege der Hoffnung gehen. „Wir müssen gegen das angehen, was das Leben zerstört!“ Um herauszufinden, was das in der jeweiligen Situation ist, gründen die Basisgemeinden Arbeitsgruppen. Ein Vier-Schritte-Programm hat sich dabei bewährt:

"Mit dem Wort Gottes die Realität durchleuchten und danach Handeln"

In einem ersten Schritt stellen sie sich der Realität. Sie nehmen sich die Zeit, gemeinsam zu sehen und zu benennen, wo etwas „das Leben zerstört“. In einem zweiten Schritt wird das Problem „mit dem Wort Gottes durchleuchtet“. Daraus wird ihnen drittens ein Auftrag, eine Aufgabe deutlich. In einem vierten Schritt verpflichten sich alle dieser Aufgabe. "Zu Gott beten, den Teig kneten!" fassen die drei Frauen ihr Vorgehen zusammen.

Eindrücklich und bewegend haben sie berichtet, mit welchen Themen und Aufgaben sie sich derzeit beschäftigen: Jugendbanden, sog. „Maras“, die um Drogen und Einfluss kämpfen und eine ganze Gesellschaft destabilisieren. Es sind zumeist Jugendliche, die aus den USA als Kriminelle abgeschoben wurden und von dort die Rivalität der Straßengangs nach El Salvador „importieren“. Gewalt und Drogen sind an der Tagesordnung. Die Basisgemeinden versuchen, Jugendliche zu erreichen und aufzuklären, ehe sie in die Bandenstrukturen geraten.
Ein weiteres Problem ist die gesundheitliche Situation der ländlichen Bevölkerung. Niereninsuffizienz ist regional weit verbreitet. Kurse und Broschüren sollen die Menschen über die Risiken aufklären und Ihnen Wege der Prävention aufzeigen. Eine weitere Arbeitsgruppe setzt sich mit dem verbreiteten Problem der Gewalt gegen Frauen auseinander. Die Liste der „Themen“, derer sich die Basisgemeinde angenommen haben, liesse sich noch weit fortsetzen.

Eine erfreuliche und hoffnungsvolle Entwicklung sehen sie in dem Regierungswechsel, der vor fünf Jahren stattgefunden hat. Die FMLN-Regierung unter Funes hat einige Reformen und Verbesserungen im Sozial- und Gesundheitswesen durchgeführt. Außerdem wurden landwirtschaftliche Kooperativen gestärkt und das bisherige Monopol der Saatguthersteller wie Monsanto aufgehoben. Ganz bedeutsam für sie ist, dass die neue Regierung die Aufklärung der Verbrechen und Massaker mit über 70.000 Toten vorantreibt.

Dieser Abend der Begegnung war von Vertretern aus 11 Gruppen und Gemeinden aus Berlin und Umgebung besucht. Die Botschafterin El Salvadors in Berlin, Frau Escher, war ebenfalls anwesend und hat die drei Frauen in ihrem Anliegen unterstützt. Wir sind Noemi, Ana Maria und Sofia sehr dankbar für Ihren Bericht und vor allem für Ihr engagiertes Eintreten für die Sache Gottes in dieser Welt.

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