Modul - Berufung als Orientierung auf meinem Lebensweg

Traudl Priller

In diesem Modul wird die Frage gesellt: Berufung - wer ruft nach wem?

1. Berufung ist nicht als Einbahnstraße zu verstehen, sondern als Dialog zwischen Gott und Mensch.

2. Berufung ist die Sehnsucht nach Leben zu verstehen, die Gott und Mensch teilen.

Der Mensch sucht einen Weg das Leben zu finden und Gott sucht einen Weg das Leben zu schenken.

Wie finde ich meinen Weg ins Leben? Welche Orientierung soll mein Leben haben?

15.1.-18.1.2019 Beginn Mi. 18.00 Uhr - Fr. 14.00 Uhr

Referentin:

Traudl Priller ist Leiterin der Evangelischen Communität Koinonia (Germerode)

 

In diesem Modul wird Traudl das Schema der Berufung präsentieren, aus dem Buch: „Wir kommen, wohin wir schauen – Berufung leben heute“ von Josef Maureder SJ, Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 2004.

Hier ist ein Abschnitt aus dem Buch:

Wenn Berufung „stimmig“ wird

„Ich bin so froh, dankbar und ermutigt durch alles, was mir geschenkt worden ist. Ich erlebe, wie viel gut und versöhnt worden ist.“ So schrieb mir vor einigen Tagen Birgit, eine junge Frau, die in Exerzitien ihre Lebensentscheidung getroffen hatte. Beim Lesen dieses Briefes ist zu spüren, dass ihr Leben in Einklang gekommen ist, dass der Weg „stimmig“ ist. „Nehmt Gottes Melodie in euch auf“, schreibt der hl. Ignatius von Antiochien an die Gemeinde von Ephesus. In Birgit ist sie offensichtlich zum Klingen gekommen.

Der dreifache Klang der einen Stimme Gottes

Wenn wir vor größeren Entscheidungen stehen, vor der Wahl einer Lebensform, eines bestimmten Berufes, einer längeren Verpflichtung, vor dem endgültigen Ja zu einem Menschen oder einer Gemeinschaft, so fragen wir uns gewöhnlich: Woran erkenne ich, dass diese Wahl stimmt, dass ich diesem Weg trauen und ihn durchhalten kann? Werde ich darin Erfüllung finden? Weil solche Entscheidungen für uns selbst und andere oft große Tragweite haben, gilt es dabei ganz besonders gut hinzuhören, damit nicht etwas unbeachtet auf der Strecke bleibt und später den eingeschlagenen Weg blockiert. Gottes Ruf will zum Leben in Fülle führen. Seine Stimme ist allerdings in einem dreifachen Klang zu hören.

Meine persönliche Natur als tragender Klang

„Die Gnade baut auf der Natur auf“, ist ein Grundsatz der Theologie. Gott überfordert nicht. Was jemand nicht kann, was so gegen seine Natur ist, dass er/sie dabei halb oder unglücklich wird, kann nicht Wille Gottes sein. Der „passende“ Weg, eine wirkliche Berufung, kommt der Natur gleichsam entgegen, sie klingt mit dem Gewordensein zusammen. Der Charakter, die Bedürfnisse stehen nicht zentral im Widerspruch dazu. Gewöhnlich zeigt meine Lebensgeschichte, „was ich wirklich tun und leben kann“. Mein Weg gelingt, wenn ich als ganzer Mensch auf Gott hin unterwegs bin, und nicht als Roboter oder willentlich zurechtgestutzt. Dies wäre eine tickende Bombe wachsender Unzufriedenheit.

Meine Sehnsucht als bewegender Klang

Im Evangelium fällt auf, dass Jesus immer wieder nach der Sehnsucht fragt: „Was sucht ihr?“ (Joh 1,38), „Was willst du, dass ich die tun soll?“ (Mk 10,51). Der Herr nimmt die Sehnsucht des Menschen ernst, denn „die Sehnsucht ist der Anfang aller Dinge“ (Nelly Sachs). „Was möchtest du, dass einmal andere von dir sagen, wenn du gestorben bist?“ Mit solchen Fragen taucht die tiefe Sehnsucht auf, die Gott in uns gelegt hat, die uns motivieren kann und uns den „erfüllenden Weg“ anzeigt. Ich darf und soll mich selber fragen, „was ich wirklich leben möchte“.

Das „Gegenüber“ als lockender Klang

Alles, was wir wahrnehmen, löst in uns ein Echo, einen Klang aus. Manches davon berührt in besonderer Weise unser Herz, reißt uns aus alten Gleisen, beunruhigt uns, ist wie ein Locken, ein Werben, das wir nicht vergessen und verdrängen können. Dies mag die Erfahrung mit einem armen Menschen sein, Bilder der Not, ein Wort des Herrn in der Schrift, die Bemerkung eines Freundes, ein Ereignis, eine Stellungnahme der Kirche. Der Ton der Wirklichkeit in uns lässt uns das Werben Gottes erkennen: was soll ich tun? Auch hier ist wieder gut hinzuhören, denn „Göttliches strahlt unscheinbar und leise, umwirbt mein Herz“ (Sr. Heidrun Bauer SDS).

Wenn der dreifache Klang zum Einklang kommt

Jede/r ist selbst verantwortlich, auf seine Natur, auf seine Sehnsucht und auf die sie/ihn umgebende Wirklichkeit zu hören. Das tägliche Beten, eine erfahrene geistliche Wegbegleitung, ein „Berufungstagebuch“ oder bestimmte geistliche Übungen (Exerzitien) werden dabei eine große Hilfe sein. Wenn stimmig wird „was ich will“, mit dem, „was ich meine zu sollen“, und „dies auch gut leben und tun kann“, dann wird Friede spürbar, Kraft und frohe Bereitschaft, diesen Weg zu gehen. Der oft als Missklang hörbare dreifache Klang der einen Stimme Gottes ist dann zur Melodie geworden. Sie verleiht dem Leben Farbe und Leichtigkeit. Eine Art von Fülle – selbst in der Bedrängnis – wird erfahrbar, wie es Jesus Christus verheißen und selbst vorgelebt hat. (Seiten 44-47)