Poet, Priester und Zeuge

Ein Nachruf auf Daniel Berrigan

- von Chris Zimmerman - Holzlandgemeinschaft, Bad Klosterlausnitz.

Für solche von uns, die das Glück hatten Dan Berrigan kennengelernt zu haben, ist sein Tod am 1. Mai im Alter von 94 Jahren kein Grund zur Trauer, sondern wieder ein Anstoß, sein verblassendes Andenken – und sein Vermächtnis des leidenschaftlichen Friedensstiftens - zu behalten.

Der er ein Poet-Priester war, der sowohl zu Hause war im Lehren über seinen Mitjesuiten Gerard Manley Hopkins in einem Uni-Seminarraum, beim Bücher schreiben (er hinterließ über 50 in seinem Namen) und in der Teilnahme an kreativen öffentlichen Werken des zivilen Ungehorsams auf der Straße, machten Berrigan und sein Bruder Philip zuerst nationale Schlagzeilen 1968, als sie Militäreinzugskarten „beschlagnahmten“ und verbrannten. „Besser, Karten zu verbrennen als Kinder“, sagte Daniel später zu dem Richter, der ihn zum Gefängnis verurteilte für die Zerstörung von öffentlichem Eigentum.

Zum Ende der Vietnam Ära war sein Name allgemein bekannt, er wurde sogar erwähnt (als the radical Priest) in einem Paul Simon Lied.

Lange nachdem die meisten Aktivisten aus seiner Zeit sich niedergelassen hatten oder der Mittelschicht beigetreten waren, kämpfte Daniel weiter, indem er die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Doppelkräfte der Gier der Unternehmen und durch Regierung geförderte Gewalt, die weiterhin verheerenden Schaden anrichten in unserer Welt, lenkte sondern auch indem er unermüdlich seinen Glauben verbreitete, dass die Kräfte von Gemeinschaft, Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Freude genauso stark seinen, und genauso real.

Nie ängstlich, zum Nachdenken herauszufordern, strebte er kontinuierlich danach, die christliche Öffentlichkeit aufzuwecken von ihrem Schlummer der Gleichgültigkeit, und darüber hinaus von dieser unverschämten Art der selbstgerechten Ordnungsliebe bei der Menschen sein symbolisches Vergießen von Blut auf nukleare Sprengkörper (ein weiterer Vorfall, der 1980 Schlagzeilen machte) kritisieren konnten ( und dies auch taten), aber gleichzeitig ganz beruhigt mit dem Gedanken schienen, dass eines Tages genau diese Sprengkörper dazu benutzt werden könnten, um ganze Städte, wenn nicht sogar Nationen zu zerstören.

Ein engagierter Ausübender der Maxime, dass eines christlichen Aktivisten Rufes es ist, nicht nur die Geplagten zu trösten, sondern auch, die Getrösteten/Bequemen zu plagen, blieb Dan eine in der Wildnis heulende Stimme, bis zum Ende. Er verlor außerdem nie seinen Humor. Als er einmal in einem Interview gefragt wurde, was auf seinem Grabstein stehen sollte, schlug er folgende Grabinschrift vor: „Es war nie langweil. Halleluja!“

Das letzte Mal dass ich ihn sah war bei einer Geburtstagsparty (seines 85.) in einem baufälligen Tanzsaal in Manhattan, nahe Central Park, zusammen mit einer Gruppe alter Typen aus der „Bewegung‘ und passionierten jungen Menschen, zusammen gefügt durch jeden erdenklichen  Grund.

Das Essen war angeliefert von Ben and Jerrys, und Natalie Merchant gab einen Überraschungsauftritt auf der Bühne, barfuß, in einem Armenkleid. Ihr letztes Lied war: Which side are you on, boys? Which side are you on? – Auf welcher Seite seid Ihr, Jungs? Auf welcher Seite?

Dies ist eine Frage, die Dan mit seinem Leben beantwortet hat.

In der Hoffnung, dass noch Millionen mehr die Kühnheit finden, zu wählen wie er.

Aus dem amerikanischen übersetzt von Tanja Gwyther, Basisgemeinde