RUNDBRIEF 2019

Unser Rundbrief 2019 ist erschienen. Hier ist ein Bericht daraus:

Aus der Gemeinschaft

„Es bedarf der Mensch, der gewöhnlich sein Leben in Zerstreuung und Leichtsinn vor sich hinlebt und immer voraneilt, ohne zu wissen, was ihn eigentlich treibt und was er eigentlich will, in seinem Laufe von Zeit zu Zeit angehalten und zu sich selbst zurückgeführt zu werden; er bedarf eines Steins am Wege, auf den er sich hinsetze und in sein vergangenes Leben zurücksehe.“ (Matthias Claudius)

Solch eine Art Stein können Zeiten „dazwischen“ sein. Sie haben einen Wert in sich und geben Gelegenheit zu Orientierung und Neuausrichtung.

Dieser Rundbrief soll eine Einladung sein, mit uns „auf dem Stein zu sitzen“: Wir wollen in ehrlicher Dankbarkeit zurückschauen und gleichzeitig einen wachen Blick nach vorne wagen. Wir als Basisgemeinde kommen aus einer Zeit voller Leben und Begegnung über Weihnachten und in den Tagen zwischen den Jahren. Jetzt stehen wir mitten in der Passionszeit. Wir möchten dem Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu in unserem Alltag Raum geben und gleichzeitig dem Fest der Auferstehung entgegenleben.

Im letzten Rundbrief, der Euch im Sommer 2017 erreichte, hatten wir von der scheinbar zu Ende gehenden Zeit der Kinder- und Jugendgruppen in der Gemeinschaft berichtet. Das sieht inzwischen anders aus. Im Sommer 2018 zog Familie Smailus aus Hamburg mit ihren vier Kindern zu uns, um sich offen auf das Leben in Gemeinschaft einzulassen. Elisabeth Smailus unterstütz unsere Hauswirtschaft und Abraham arbeitet im Geschäftsbetrieb mit. Bereits im Januar 2018 kam Hendrik Heyden, vielseitig begabt und als ausgebildeter Theologe freudig in der Verkündigung von Gottes Wort. Auch lebt Familie Oliva aus Berlin seit August 2017 wieder ganz mit uns.

Im vergangenen Herbst gingen alle Familien miteinander auf Ferienfahrt - davon 14 Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 17 Jahren. Gleichzeitig sind einige von uns mit dem eigenen Älterwerden und vor allem mit der zunehmenden Hilfsbedürftigkeit unserer alten Eltern konfrontiert.

Ein Höhepunkt des noch jungen Jahres 2019 waren die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag unserer Partnergemeinde in El Salvador, der Basisgemeinde Zacamil. Anfang Februar reisten Ehepaar Ellwanger und Dorle Grasser ins Land, um stellvertretend für uns alle an diesem Jubiläum teilzunehmen.

Ein anderes Thema, welches uns in den letzten Jahren beschäftigte, ist die Offenheit für junge Erwachsene, für deren Lebensthemen und deren Suche nach Wesentlichem. Unter dem Titel „COMMUNIO COLLEG“ erarbeiteten wir ein zehn monatiges Programm für Menschen zwischen 25 und 35 Jahren. Bei uns in der Basisgemeinde sollte die Möglichkeit gegeben werden, Fragen nach Identität und Berufung, nach biblischen Grundlagen gemeinschaftlichen Lebens und gesellschaftspolitischen Perspektiven für unsere Welt nachzugehen. Neben dem Leben und Arbeiten in unserem eigenen gemeinschaftlichen Zusammenhang, sollten vertiefende Module mit Referent*innen von außerhalb angeboten werden. Weil wir das Projekt relativ spät beworben und auch nicht gründlich genug vorbereitet hatten, konnte es 2018 mangels Anmeldungen nicht gestartet werden. Zeitgleich klopften – ganz ohne Werbung - während des vergangenen Jahres immer wieder junge Erwachsene bei uns an. Sie kamen aus Frankreich, der Schweiz, aus Korea und Deutschland. Sie blieben mehrere Monate, bzw. sind noch da. Sie bereichern unseren Alltag. Erstens kommt es anders und zweitens als Mensch denkt. Trotzdem bleiben wir dran an der guten Idee COMMUNIO COLLEG. Wir tun unsere baulichen und sonstigen Hausaufgaben. Wir werten aus und wollen offen sein, wen Gott uns als nächstes über den Weg schickt.

Geschenk Immer wieder beschäftigt uns unser Haupthaus – großer Schatz und Sorgenkind in einem. Nicht nur für die jungen Menschen, für die wir angemessene Räume bereiten möchten, auch für uns Ältere stellt sich immer wieder die Frage nach Bewahrung dieses „Feuerplatzes“. So konnten wir mithilfe einer größeren Spende im März 2018 die Stuckdecke unseres Saales streichen lassen. Die Renovierung des anliegenden kleinen Saals erfolgte im Frühjahr 2019. In der ehemals gemütlichen Wohnküche in „Rot“, in der die maroden Deckenbalken eine Begehbarkeit nicht mehr zuließen, konnten wir dank unseres rührigen Hausmeisterteams Abhilfe schaffen. Das alles ermutigt uns. Hoffnung wird konkret für unser altes Haus und für alles warme, sammelnde und kreative Leben, welches auch zukünftig in ihm geschehen soll.

Ein weiterer Grund zur Dankbarkeit ist die zunehmende Vernetzung mit anderen christlichen Gemeinden und Werken in der Region. Anfang 2019 nahmen wir erstmalig aktiv an der Allianz-Gebetswoche und auch am Kanzeltausch teil. Auf diesem Wege kamen wir in Kontakt mit vielen engagierten Christ*innen aus der Region. Wir durften uns auf dem Boden der Einheit auch unsere Verschiedenartigkeit zumuten. Das Geschenk der Ergänzung wurde erlebbar. Ein weiterer Kontakt entstand zur Regionalgruppe Nord des Internationalen Versöhnungsbundes und zum Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein. Ein Seminar mit Jürgen Kaiser von der Initiative Erlassjahr.de im Oktober 2018 zum Thema weltweite Gerechtigkeit konfrontierte uns neu mit Fragen aus der Gründungszeit der Basisgemeinde.

Wie schon damals, so wollen wir heute nicht aufhören zu suchen, was diese großen Themen mit unserem alltäglichen Leben als christliche Gemeinschaft zu tun haben.

In den ersten Tagen des neuen Jahres durften wir als Gemeinschaft praktische Einblicke in die Bewegungsarbeit nach Elsa Gindler gewinnen. Edith von Arps-Aubert, mit der wir durch die Hengstenberg-Pikler Gesellschaft freundschaftlich verbunden sind, leitete uns dabei an. Wir erfuhren leiblich, wie behutsam und klug unser Schöpfer mit uns am Werke ist und in welchen Bereichen es noch etwas „nachzuentfalten“ gilt. Körperarbeit ist immer Arbeit am ganzen Menschen.

Wie gut, dass der Stein, auf dem wir manchmal sitzen, um innezuhalten, ein Fundament sein kann, heiteren Schrittes und mit Gottes Rückenstärkung nach vorne zu gehen.

von Henrike Oliva