Weihnachtsfest in Riesen-WG Artikel aus der Kieler Nachrichten

Weihnachtsfest in Riesen-WG (© Jan Torben Budde)

Weihnachtsfest in Riesen-WG
Von Jan-Torben Budde |
23.12.2014

Wie feiert eigentlich eine XL-WG das Weihnachtsfest? Die Rede ist hier nicht von sechs Studenten, die sich eine Wohnung in Kiel teilen. In der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten leben knapp 50 Kinder und Erwachsene in Familien oder Wohngruppen. Da gibt’s vor Heiligabend jede Menge zu tun, denn die christliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft spielt, singt und isst zusammen. Und wie in fast jeder Familie, herrscht unter dem Weihnachtsbaum auch mal dicke Luft.

In der Küche duftet es nach Tomatensoße. „Dazu gibt es Nudeln“, erzählt Elke Bähner, die gerade im Kochtopf rührt. Doch Heiligabend gebe es ein Essen nach einem israelischen Rezept, das ihre Tochter mitbringe. Für das Gericht bereite das Küchenteam Hackfleisch, Gemüse, Reis und Linsen zu. „Heiligabend essen wir alle zusammen“, sagt Clemens Kremer, der mit Ehefrau Petra seit gut 30 Jahren in der Basisgemeinde in dem Tüttendorfer Ortsteil lebt. Ihre Söhne Philipp (33) und Markus (23) sind zwar aus dem Haus, kommen aber Weihnachten – wie manch anderer ehemaliger Bewohner – zu Besuch.

Die Basisgemeinde lebt auf einem ehemaligen Gutshof. Die Mitglieder sind zwischen eineinhalb und 85 Jahre alt. Zu der Gütergemeinschaft gehören sowohl Alleinstehende, die in Wohngruppen zuhause sind, als auch Ehepaare und Familien. „Wir verstehen und als christliche Gemeinde“, erklärt Kremer. Solidarität und das miteinander Teilen würden groß geschrieben. Als Haupteinnahmequelle dient dem 57-Jährigen zufolge die Herstellung von Holzspielgeräten, die bundesweit und im europäischen Ausland verkauft werden. „Was verdient wird, kommt in einen gemeinsamen Topf“, erläutert der Vertriebsmitarbeiter.

Doch Weihnachten sind Betriebsferien in der Werkstatt. „Wir räumen alles beiseite, damit wir dort Fußball und Hockey spielen können“, berichtet Kremer. Dafür wurde sogar eine kleine Arena aufgebaut. „Die Werkstatt ist aber nur eine der Stationen, die Heiligabend angesteuert werden“, sagt er. Ebenso gehört ein „stiller Teil“ mit Gebet und Gottesdienst zu Weihnachten. In einem großen Saal steht eine Holzkrippe. Zudem stellt die Basisgemeinde gleich zwei Weihnachtsbäume auf. Christoph Bähner bringt eine Schachtel mit Strohsternen vom Dachboden, die an einer Tanne baumeln sollen. Wie in jeder Familie sorgt nicht nur der Baumschmuck mitunter für Debatten. „Wenn es mal knistert, sprechen wir darüber“, betont er.

Und Geschenke? „Gibt es zu Weihnachten nicht, sondern zum Geburtstag“, so Kremer. Heiligabend stehe in der Basisgemeinde vielmehr die Geburt von Jesus im Mittelpunkt. Stattdessen beschenke sich die Gemeinschaft mit neuen Spielen oder Büchern. In einem Zimmer richten Sophie (9), Rahel (11), Kilian (6) und Benjamin (9) gerade ein großes Puppenhaus ein. Bei Tee, Limo, Punsch und Gebäck spielen und klönen Kinder und Erwachsene oder blättern in Fotoalben. Auch Gesang und Theater stehen auf dem Programm. „Weihnachten gibt es viele gemeinschaftliche Angebote bei uns“, sagt Kremer, jeder dürfe sich aber auch in die Privatsphäre zurückziehen. Aufgeräumt werde dann am ersten Weihnachtstag.